Spuren 2018-05-08T09:11:01+00:00

Project Description

Swantje Wehr

Spuren

Bochumer Verein

Bochum

Der Bochumer Verein (BVG) bestand aus mehreren Stahlwerken und Hütten und beschäftigte über 20.000 Menschen. Im Jahr 1854 entstand er aus der Gussstahlfabrik Mayer und Kühne.

1903 wurde eine Gaskraftzentrale und Gebläsemaschinenhalle auf dem Gelände errichtet, welche heute die „Jahrhunderthalle“ ist.

Im Zuge des 2. Weltkriegs wurden 1944 große Teile des Werksgeländes durch die Alliierten zerstört und 1947 ein Hochofen, zwei Stahlwerke und alle weiteren größeren Schmiedeanlagen demontiert. Aufgrund irreparabler Kriegsschäden wurde 1948 einer der beiden Gasometer des Höntroper Werks ebenfalls abgerissen.

1958 übernahm der Krupp-Konzern 76% des Bochumer Vereins, 1965 wurde er dann komplett von Krupp übernommen und der Name „Bochumer Verein“ aufgegeben. Zum Ausblasen der Hochöfen am Standort Bochum kam es 1968, 1982 folgte das Walzwerk in Höntrop und ein Großteil der Walzstraßen. Bis heute wurden alle übrigen Bauwerke bis auf den Jahrhunderthallen-Komplex und das Colosseum abgerissen. Der Betrieb des Weichenwerks von ThyssenKrupp am Standort Bochum wurde 2014 eingestellt.

Rombacher Hütte

Bochum

Die Rombacher Hütte wurde 1889 von der Westfälischen Stahlwerke AG gegründet und gehörte später zum Bochumer Verein.

Aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten wurde die Westfälische Stahlwerke AG 1926 an die Vereinigte Stahlwerke AG verkauft und 1934 mit der Verselbstständigung des Bochumer Vereins wurde die Rombacher Hütte als „Werk Weitmar“ dort eingegliedert.

Im Zuge der Rüstungsprojekte des dritten Reichs, wurden 1935 drei der sieben zuvor stillgelegten Siemens-Martin-Öfen wieder in Betrieb genommen, die übrigen wurden 1938 abgerissen.

Nach der Übernahme des Bochumer Vereins durch Krupp wurde 1968 das Stahlwerk 4 abgerissen und nur zwei Jahre später das gesamte Werk.

Das gesamte Gelände wurde 1980 mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW von der Stadt Bochum gekauft. Seitdem befindet sich auf dem ehemaligen Hüttenwerksgelände ein Gewerbepark und von den umfangreichen Fabrikanlagen blieb nur ein geringer Teil erhalten, welcher bis 2014 ebenfalls abgerissen wurde um der Erweiterung eines Gewerbebetriebes Platz zu machen.

Heinrichshütte

Hattingen

Die Heinrichshütte entstand 1854 und war eines der traditionsreichsten Hüttenwerke des Ruhrgebiets. Sie war für ihren Edelstahl bekannt.

1855 wurde der erste Hochofen angeblasen, 1856 ein zweiter. Da dessen Rentabilität jedoch nicht ausreichend war, wurde die Heinrichshütte 1857 an ein Berliner Bankenkonsortium verkauft.

In den Jahren 1859 und ’60 kamen dann noch zwei weitere Hochöfen dazu, woraufhin die Heinrichshütte an die „Dortmunder Union“ weiterverkauft wurde. Bei einer Explosion im Jahr 1900 bei der auch einige Arbeiter ums Leben kamen wurde einer der Hochöfen komplett zerstört. 1904 wechselte die Hütte erneut den Besitzer und war von da an unter der Führung des Unternehmens Henschel und Sohn.

1939 kam noch ein weiterer Hochofen dazu um den Roheisenbedarf der Rüstungsproduktion abdecken zu können. Dieser Hochofen blieb bis heute als „Hochofen 3“ im dortigen Industriemuseum erhalten.

Nach dem Krieg und der Zeit der Demontagen erwarb Rheinstahl den Großteil der Aktien für die Heinrichshütte.

1974 wurde sie dann an die Thyssen-Gruppe verkauft, welche die Hütte ab 1984 stilllegte, so fand 1987 seit über 130 Jahren keine Roheisenerzeugung mehr in Hattingen statt. Am 19.02.1987 – dem „schwarzen Donnerstag“ – verkündete der Vorstand die Stilllegung der Heinrichshütte woraufhin sich ein Zentrum des Wiederstands gegen die Schließung in Hattingen festigte. Doch auch die 12-monatigen Demonstrationen und Kundgebungen konnten die Stilllegung nicht verhindern.

Ab 1988 nutzte die Vereinigte Schmiedewerke GmbH die Hallen für ihre Werkstätten, diese meldete jedoch 2004 ihre Insolvenz an. Somit kaufte die LEG das Industriegelände der Heinrichshütte von Thyssen und errichtete mit Unterstützung des Landes NRW den „Gewerbe- und Landschaftspark Heinrichshütte“.

Der Gasometer wurde bereits 1994 gesprengt, ihm folgten 2005 das Blasstahlwerk und 2007 ein Schornstein auf dem Hüttengelände.

Heute ist das Gelände der Heinrichshütte einer der acht Standorte des LWL-Industriemuseums und das ehemalige Bessemerstahlwerk wird für Veranstaltungen genutzt.

Niederrheinische Hütte

Duisburg

Die Niederrheinische Hütte ist ein Eisenhütten- und Walzwerk im Duisburger Stadtteil Hochfeld. Nach der Gründung 1851 wurde hier Roheisen und Rohstahl produziert, ab 1913 spezialisierte sie sich auf das Walzen von Draht.

Von 1904 an wurde das bestehende Hochofen-Eisenwerk zu einem gemischten Stahlwerk mit mehreren Siemens-Martin-Öfen und einem Walzwerk erweitert.

1926 übernahm dann die Vereinigte Stahlwerke AG das Werk und firmierte es als Teil der „Gruppe West“ unter Führung der August-Thyssen-Hütte.

Im zweiten Weltkrieg wurde das Werk durch Fliegerbombenangriffe weitgehend zerstört und danach als Drahtwalzwerk wieder aufgebaut.

Die Niederrheinische Hütte wurde 1951 von der VESTAG abgespalten und 1955 von der Thyssen-Hütte übernommen. In den 60er-Jahren gab Thyssen dort die Eisen- und Stahlherstellung auf und die letzten Öfen wurden außer Betrieb genommen, dafür wurden dort die Produktionskapazitäten für Walzdraht deutlich ausgebaut.

1997 verkaufte Thyssen das Werk an den Stahlkonzern „Ispat Steel“ welcher es 2007 an ArcelorMittal weitergab.

Auch die Drahtproduktion wurde 2013 dann endgültig eingestellt womit die mehr als 150-jährige Geschichte der Niederrheinischen Hütte als Stahl- und Eisenproduktionsstandort endete. Bis Ende 2017 sollte das Gelände geräumt sein.

 

Rheinische Stahlwerke

Duisburg

Die Rheinische Stahlwerke AG wurde 1870 gegründet und 1881/82 durch ein Schienenwalzwerk erweitert. 1884 kam ein Martins-Siemens-Stahlwerk und 1887 ein Integriertes Stahlwerk mit zwei Hochöfen hinzu. 1901 wurde das Hüttenwerk Duisburg-Meiderich gegründet. 

1926 brachte Rheinstahl ihre Erzgruben und Stahlbetriebe in die VESTAG ein, in dessen Entflechtung sie nach dem zweiten Weltkrieg Beteiligungen an der Ruhrstahl AG mit der Heinrichshütte, sowie dem Bochumer Verein erhielt.

Durch finanzielle Probleme Ende der 60er-Jahre, erwarb dann die August-Thyssen-Hütte die Mehrheit der Anteile der Rheinischen Stahlwerke. Daraufhin wurde 1976 der Name „Rheinstahl“ aufgegeben. Die noch existierenden Teilunternehmen gehören heute dementsprechend zu ThyssenKrupp.

 Die fünf Hochöfen der Meiderich Hütte produzierten in ihren 84 Jahren 37 Millionen Tonnen Spezialroheisen. Zwei dieser Hochöfen wurden bereits zwischen 1968 und 1970 abgerissen. 1982 wurden die Hochöfen 1 und 2 stillgelegt, somit blieb danach nur noch der erst 1973 erbaute Hochofen 5 in Betrieb, doch auch dieser wurde kurz darauf stillgelegt. 

Thyssen verlagerte die Stahlproduktion in ihre umliegenden und deutlich größeren Werke. Daraufhin wurde das Gelände der Hütte zwischen Meiderich und Hamborn zum Projekt der Internationalen Bauausstellung „Emscher Park“. Von 1990 bis 1999 wurde das Gelände so umgestaltet, dass der Park heute in Fachkreisen als eines der wichtigsten Projekte der Landschaftsarchitektur um die Jahrtausendwende gilt.

Schalker Verein

Gelsenkirchen

Der Schalker Gruben- und Hüttenverein wurde 1872 gegründet und betrieb sechs Hochöfen für die Roheisenproduktion. 1926 wurde er ebenfalls Bestandteil der VESTAG.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk zu einem wichtigen Ziel der Alliierten und so wurde es bei mehreren Bombenangriffen erheblich geschädigt.

Zusammen mit anderen Eisen- und Gussstahlwerken gründete der Schalker Verein 1952 die Rheinisch-Westfälische Eisen- und Stahlwerke AG, welche schon fünf Jahre später mit der Rheinische Stahlwerke AG fusionierte. 1974 wurde Rheinstahl und somit auch das Werk Schalker Verein vom Thyssen-Konzern erworben.

Nach der Explosion des letzten aktiven Hochofens 1982 wurde die Belegschaft auf 1.200 Mitarbeiter reduziert.

Thyssen verkaufte das Werk Schalker Verein 1999 an die Saint Gobain Gruppe ab. 235 Personen waren dort beschäftigt als das Werk 2004 aus einer Pressemitteilung erfuhr, dass die Produktion von einen auf den anderen Tag komplett eingestellt werden sollte. Das Angebot zur Weiterbeschäftigung in der Halbergerhütte nahm keiner der Arbeiter an.

Die Landesentwicklungsgesellschaft NRW übernahm daraufhin die 35 Hektar große Industriebrache. Heute noch erhalten ist zum Beispiel die Energiezentrale und der ehemalige Hoch-Erzbunker auf dem inzwischen eine großflächige Solaranlage installiert ist und der daher auch „Solarbunker“ genannt wird.

Aplerbecker Hütte

Dortmund

Die Aplerbecker Hütte ist ein ehemaliges Stahl- und Eisenwerk im Dortmunder Stadtteil Aplerbeck am des Aplerbecker Ortskerns und südlich des Bahnhofs Aplerbeck an der Bahnstrecke Dortmund-Soest. Sie wurde 1862 auf dem Gelände der Blücher AG gegründet. Dort wurde der erste Hochofen bereits 1858 in Betrieb genommen, leider reichte das Kapital der Blücher AG nicht aus um das Werk zu halten und so wurden 1859 alle 129 Arbeiter entlassen. Nachdem der ehemalige Verwaltungsrat das Werk ersteigerte und die Commandit-Gesellschaft Aplerbecker Hütte gründete konnte der Betrieb 1862 wieder aufgenommen werden.

1869 übernahm die Firma „Brügmann, Weyland und Co.“ die Hütte und 1911 fusionierten sie mit der Westfälischen Drahtwerke AG. Zwischen 1920 und 1924 übernahm zunächst der Stinnes-Verein, danach die Vereinigten Stahlwerke das Werk.

Als Folge der Weltwirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg musste die Aplerbecker Hütte 1925 schließen und wurde bis 1930 abgerissen.

Einzig die 1920 gegründete und später ausgegliederte Magnetproduktion überlebte die Wirtschaftskrise als „Magnetfabrik Aplerbeck“. Die Magnetfertigung produzierte ab 1992 als „Thyssen Magnettechnik“, ab 1997 als MTG Magnetsysteme GmbH und seit 2000 unter dem Namen Tridelta, die bis heute am Markt aktiv ist.

Seit 1999 erinnert das Magnetmuseum in Aplerbeck an die Geschichte der Magnetfabrik.

Westfalenhütte

Dortmund

Die Westfalenhütte wurde 1871 von dem Eisenfabrikant Leopold Hoesch, seinen Söhnen und seinen Vettern errichtet. Zu Hochzeiten waren auf ihr ca. 25.000 Mitarbeiter beschäftigt. Mit dem Bahnhof Dortmund-Hoesch besaß das Werk sogar einen eigenen Haltepunkt.

Infolge der Stahlkrise von 1974 wurden die Hochöfen, die Sinteranlage und das Warmbreitbandwalzwerk stillgelegt und 2001 verkauft. Diese enormen Anlagen wurden vom Käufer in Einzelteile zerlegt und im 9.000km entfernten Zhangjiagang wieder aufgebaut.

Dadurch sind die Aktivitäten auf dem Gelände der Westfalenhütte hauptsächlich auf ein Walzwerk mit Blechendverarbeitung und -beschichtung konzentriert. Heute sind dort noch ca. 1.000 Personen beschäftigt.

Durch die Fusion der Hoesch AG mit ThyssenKrupp, ist ThyssenKrupp nun im Besitz der größten Industriebrachfläche Europas (450 Hektar).

Seit 2009 gibt es Bauarbeiten zur Erschließung der Fläche und so entsteht auf dem Areal ein riesiger Logistik-Standort. Zur Zeit haben hier Firmen wie Ikea, Deutsche Bahn Schenker, DHL, Kaufland, Amazon und Weitere ihre Warenlager und Logistikzentren.