Tauben und Rennpferde 2018-05-15T09:53:46+00:00

Project Description

Sebastian Beierle

Über Tauben und Rennpferde

Sie prägen seit jahrzehnten das Bild unserer Städte. Im Winter sitzen sie dick aufgeplustert in den warmen Eingängen von Kaufhäusern oder hinter anderen windgeschützten Ecken. Im Sommer baden sie vergnügt in Springbrunnen und sorgen eifrig für den fortbestand ihrer Population.

Der Ursprung dieser „Ratten der Lüfte“, wie sie gerne abwertend betitelt werden, liegt in der äußerst deutschen Tradition der Brieftabenzucht. Immer wieder kehren vereinzelte Tiere nicht zu ihrem Besitzer zurück. Hieraus hat hat sich eine eigene, sehr große Population an wildlebenden Tauben gebildet.

Der Brieftaubensport war schon immer eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Bergleuten im Ruhrgebiet. Die Tiere wurden liebevoll die „Rennpferde des kleinen Mannes“ genannt.

 

Der Bergbau gehört wohl ebenso zum Ruhrgebiet wie Currywurst und Fussball. Die Stadt Marl ist eine der typischen Bergbaustädte im Ruhrgebiet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier begonnen Kohle zu fördern um den stetig wachsenden Energiebedarf der Industrie zu decken. Die Zeche Auguste Victoria schaffte Arbeitsplätze und war verantwortlich für den raschen Wachstum der Stadt. Mit den Bergleuten kamen auch die Tauben. Sie waren für die Arbeiter eine willkommene Abwechslung zum harten Arbeitsalltag.

Diese Liebe zu den Tieren hat dafür gesorgt, dass das Ruhrgebiet nach wie vor die deutsche Region mit der höchsten Dichte an Taubenzüchtern ist. Hat man die Tauben früher auch gegessen, werden sie heute jedoch ausschließlich für die Wettflüge gezüchtet.

Die Stadt Dortmund spielt in der Welt der Brieftauben eine zentrale Rolle. Hier findet jedes Jahr die größte Taubenmesse europas statt. Züchter aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden treffen sich bei der deutschen Brieftaubenausstellung (DBA) an einem Wochenende um sich auszutauschen – oder auch um die ein oder andere neue Taube für die eigene Zucht zu ersteigern.